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15.11.2017, Svjatoslav Prokop

Anna Miggou etabliert sich in der internationalen Spitze


Fotos: MTV Ludwigsburg.

Anna Miggou holte bei der U21-Weltmeisterschaft auf Teneriffa (Spanien) die Bronzemedaille. Mit diesem Erfolg bewies die 20-Jährige Ötisheimerin nicht nur, dass sie sich in der internationalen Spitze etabliert hat, sondern dieses Ergebnis berechtigt sie gleichzeitig zur Teilnahme an den Qualifikationswettkämpfen für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

MTV: Vor kurzem hast du dich noch mit der Weltelite gemessen, heute bist du wieder in Deutschland und trägst die Bronzemedaille um den Hals. Wie fühlst du dich jetzt nach der intensiven Vorbereitung und dem Turnier?

Anna: Ich fühle mich befreit. Es war ein anstrengender Druck während der Vorbereitung. Den meisten Druck habe ich mir wahrscheinlich selbst gemacht, weil es das letzte Mal U21 war. Ich freue mich riesig und kann das Ganze jetzt auch genießen.

MTV: Hinter dir liegt ein überragendes Jahr 2017. Im April bist du deutsche Meisterin der Leistungsklasse geworden, im Sommer folgte der deutsche Meistertitel in der U21. Nun zum Abschluss kommt der dritte Platz bei den U21-Weltmeisterschaften dazu…

Anna: Ich kann mich so nicht beschweren. Ich habe alles auf mich zukommen lassen, ohne mir groß Gedanken am Anfang des Jahres zu machen. Man arbeitet dann alles nacheinander ab und irgendwann findet man sich dann am Ende vom Jahr und hat ein Resultat – und mit dem bin ich mehr als zufrieden.

MTV: Die Landesmeisterschaft hast du dieses Jahr verpasst, weil du dich auf die Europameisterschaft vorbereiten musstest. Trauerst du ein bisschen um den verpassten Landesmeisterschaftstitel?

Anna: Es ist ein Stich ins Herz.

MTV: Seit deiner allerersten Goldmedaille bei der Jugendeuropameisterschaft 2012 in Baku kämpfst du auf Europa- und Weltniveau. Hast du schon damals die Entscheidung getroffen, diesen Weg zu gehen, d.h., deine Zukunft auf den Karatesport auszurichten?

Anna: Ich denke, es beginnt bei den meisten, so war es bei mir, Ende Junioren, Anfang U21, wenn man sich bewusst wird, welchen Aufwand man dafür betreiben muss. Speziell vor der zweiten WM in Djakarta 2015 wurde mir das spätestens klar. Ab diesem Zeitpunkt hat sich das Training natürlich auch dementsprechend verändert. Ich habe es aber zu keinem Zeitpunkt bereut!

MTV: Nach deinem Realschulabschluss hast du eine Ausbildung bei der Stadtverwaltung gemacht. Jetzt absolvierst du eine Ausbildung zur Polizistin. Lässt sich der Sport zeitlich mit deiner Arbeit vereinbaren?

Anna: Manchmal ist es kritisch. Zum Glück hat sich bei der Polizei die Leistungssportförderung ergeben. Und nach intensiver Planung und Organisation mit unserem Leistungssportkoordinator ist es gar kein Problem mehr, die Trainingszeiten mit meinen Schichten abzustimmen. Wenn ich bei der Stadt geblieben wäre, wäre das so gar nicht möglich.

MTV: Deine Eltern begleiten dich auf die meisten Turniere. Ist es etwas, das du brauchst, oder setzt es dich unter Druck?

Anna: Ganz im Gegenteil. Ich bin wirklich froh darüber, dass meine Eltern von klein auf dabei sind. Sie konnten auch immer richtig einschätzen, wie ich mich fühle. Ich habe mich nie unter Druck gesetzt gefühlt, sie haben mich eher mal gebremst, wenn ich es mit dem Training übertrieben habe. Es ist unglaublich wichtig, mal ihre Sichtweise der Dinge zu hören und Unterstützung von ihnen zu erfahren. Es ist toll, dass ich über alles mit ihnen sprechen kann.

MTV: Viele Sportler lassen sich von anderen Athleten inspirieren. Hast auch du ein sportliches Vorbild?

Anna: Seit der letzten Olympiade ist es Kunstturnerin Simone Biles. Es hat weniger mit ihrem Erfolg zu tun, der natürlich auch beeindruckend ist. Es geht mir aber mehr um den Spaß, den sie während der Olympiade versprüht hat. Während der Übungen hat man natürlich ihre Anspannung gesehen, aber trotzdem sah man ihr auch immer die Begeisterung für den Sport an. Dieser Funke ist auf mich übergesprungen. Ich folge ihr auch auf Instagram, einfach eine tolle Frau.

MTV: Hast du ein Ritual, um dich mental auf Wettkämpfe einzustimmen?

Anna: Es ist weniger ein Ritual, es ist mehr eine Routine, die sich dann einstellt. Ich bin anfangs noch gerne mit meinen Teamkollegen zusammen und flachse mit ihnen herum. Kurz vor den Kämpfen bin ich dann für mich und höre Musik. Es sind mehrere kleine Dinge. Beim Aufwärmen fokussiere ich mich dann voll auf den Wettkampf.


 
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